Mittwoch // 28.11.2018 // 19 Uhr // LiZe (Dahlienweg 2a, Rgb.)

Tätterinnen

Jahrzehntelang hat die „neue Frauenbewegung“ ein positives, auf den Opferstatus zentriertes Bild von „der Frau“ im NS gezeichnet, was nicht selten zu einer den Holocaust verharmlosenden Argumentation führt(e). Entgegen der Tatsache, dass Frauen als KZ-Aufseherinnen oder Denunziantinnen an der antisemitischen Ausgrenzung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden mitwirkten, wurden sie in feministischen Schriften oft als auf die Mutterrolle reduzierte „Gebärmaschinen“ dargestellt – ein feministischer Fall von Täter(innen)-Opfer-Umkehr.

Im Vortrag wird die Referentin Frauen als Täterinnen im Kontext der Beteiligung am NS nachzeichnen sowie die Frage aufwerfen, ob Antisemitismus bei Frauen und Männern die gleichen Bedürfnisse befriedigt oder ob entsprechend der verschiedenen Geschlechterrollen unterschiedliche Inhalte projiziert werden.

Ljiljana Radonić << Lehrbeauftragte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Derzeit Habilitationsprojekt über den „Zweiten Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen“ am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

 

 

 

 

Mittwoch // 31.10.2018 // 19 Uhr // LiZe (Dahlienweg 2a, Rgb.)

Erinnerungsorte

Für die extreme Rechte in Deutschland spielt der Umgang mit „Geschichte“ eine wichtige Rolle. Hierbei wird versucht, eigene „Erinnerungsorte“ zu schaffen, die nicht nur topografische Orte, sondern auch Erzählungen, Mythen und spezifisch gedeutete Ereignisse umfassen können. Sie müssen sich nicht zwangsläufig auf den Nationalsozialismus beziehen und pendeln zwischen Opfererzählungen und heroisierenden Narrativen, erfüllen dabei aber immer eine identitätsstiftende, vergemeinschaftende Funktion.

Im Vortrag analysiert Michael Sturm die zentralen geschichtspolitischen Argumentationsmuster der extremen Rechten und nimmt dabei besonders deren Inszenierungspraktiken anlässlich des Volkstrauertags in den Blick. Diskutiert werden soll aber auch, wie demokratische Erinnerungskulturen gestaltet werden können, um keine Anknüpfungspunkte für extrem rechte Aneignungs- und Vereinnahmungsversuche zu bieten.

Michael Sturm << pädagogisch-wissenschaflicher Mitarbeiter im Geschichtsort Villa ten Hompel der Stadt Münster und in der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Münster

 

 

 

Mittwoch // 26.09.2018 // 19 Uhr // LiZe (Dahlienweg 2a, Rgb.)

Im Zuge der rassistischen Antiasylproteste in Freital (Sachsen) im Sommer 2015 bildet sich eine militant agierende Neonazistruktur heraus, die innerhalb kürzester Zeit schwere Gewalttaten gegen Geflüchtete und politische Gegner_innen verübte. Im Frühjahr 2018 wurden die Mitglieder u. a. wegen versuchten Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vom Oberlandesgericht Dresden verurteilt. Im Verfahren selbst waren die Taten sowohl von der Verteidigung als auch von Teilen der lokalen Presse und Öffentlichkeit als „dumme Jungenstreiche“, „Böllerwürfe“ und die Motivation als „asylkritisch“ verharmlost.

Im Vortrag wird die Referentin, die die Vertretung der Nebenklage im Prozess übernommen hatte, sowohl die Gruppe als auch das Verfahren näher beleuchten.

Kristin Pietrzyk << Rechtsanwältin seit 2008 mit dem Schwerpunkt Straf-, Polizei- und Ordnungs-/Versammlungsrecht. Autorin des Blogs gruppe-freital-nebenklage.de.

Veranstaltungsreihe 2018#1

Die Veranstaltungen sind kostenlos und  finden immer am letzten Mittwoch des Monats um 19.00 Uhr in den Räumen des LiZe (Dahlienweg 2a, 93053 Regensburg) statt. Der Veranstaltungsraum ist barrierearm, die Toiletten Rollstuhlgerecht.

Die Veranstaltungsreihe 2018 #1 wird

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31.01.2018 | Jörg Kronauer – Mit Moskau gegen die USA? Die Russland-Strategien der (extremen) Rechten

In der deutschen (extremen) Rechten werden offen Sympathien für Russland gehegt und ihre AkteurInnen – von RechtspopulistInnen bis NeonazistInnen – versuchen Kontakte in das Land aufzubauen. Ideologischer Hintergrund dürfte hierbei sein, dass „Der Westen“ als Inbegriff für gängige Feindbilder – wie zum Beispiel der verhassten Moderne und des Liberalismus – gilt und Russland als Gegenstück dazu erscheint. Mit dem Eurasismus – einer sehr erfolgreichen extrem rechten Strömung in der Russischen Föderation – ist hierfür auch ein Anknüpfungspunkt gegeben.

Der Vortrag beleuchtet die Russland-Strategien der westeuropäischen (extremen) Rechten, zeigt die Hintergründe der russischen Unterstützung für Organisationen auf und blickt auf die Folgen.

Jörg Kronauer // Freier Journalist und Buchautor aus London, Referent des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland

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28.02.2018 Dr. Björn Elberling – Der NSU-Komplex aus Sicht der Nebenklage

In den Jahren zwischen 2000 bis 2007 hat der «Nationalsozialistische Untergrund» (NSU) in ganz Deutschland vor allem aus der Türkei stammende Menschen erschossen, mindestens zwei Sprengstoffanschläge in vor allem von MigrantInnen bewohnten Stadtteilen verübt und zahlreiche Banken überfallen. Im Mai 2013 begann der Strafprozess gegen fünf Angeklagte vor dem Oberlandesgericht München. Seit Sommer 2017 ist das Verfahren in die Plädoyerphase eingetreten, seit Mitte November hält die Nebenklage ihre Plädoyers und Nebenkläger*innen geben eigene Erklärungen ab. Es stehen in diesen die Perspektive der Angehörigen und Betroffenen im Vordergrund. Eine davon wird von Dr. Björn Elberling vetreten, dessen Mandant Betroffener eines versuchten Mordes bei einem Raubüberfall des NSU am 18. Dezember 1998 in Chemnitz war.

Im Vortrag wird der Referent eine vorläufige Auswertung des Prozesses geben und dabei Kritik an den Ermittlungen und am Prozess üben, da diese den Angehörigen gegebene Aufklärungsversprechen nicht einlösen.

Dr. Björn Elberling // Rechtsanwalt aus Kiel, Nebenklagevertreter im NSU-Prozess und Autor des Blogs nsu-nebenklage.

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28.03.2018 | Jerome Trebing – Faschistische Sozialarbeit? Wie die extreme Rechte versucht den sozialen Raum zu erobern

Seit Jahren baut die europaweit agierende extrem rechte Gruppierung »Die Identitäre Bewegung« an eigenen Strukturen, um jugendlichen AdressatInnen ein breites Angebot an soziokulturellen Aktivitäten anbieten zu können. „Wir sind patriotische Streetworker“, mit dem Ziel einer „patriotischen Erziehung der Jugend“ wird dabei verlautbart. Vorbild dürfte hierbei die neofaschistische italienische Gruppe »Casa Pound« sein, die zahlreiche Stadtteilzentren unterhält und sich in größeren Städten als SozialarbeiterInnen – zum Beispiel in der aufsuchende Jugend- sowie der Communityarbeit – betätigt.

Der Vortrag wird einen, in der bisherigen Auseinandersetzung mit neueren extrem rechten Gruppierungen, eher marginalisierten Punkt aufgreifen: Die konkreten Manifestationen dieser Ideologie in der reaktionären Besetzung sozialen und kulturellen Raumes.

Jerome Trebing // Sozialarbeiter und Soziologe aus Wien; Twitteraktivist (@MenschMerz)

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25.04.2018 | Jan Nowak – Die neonazistische Rechte in Ostbayern. Eine Bestandsaufnahme

Die neonazistische Rechte in Ostbayern ist kein monolithischer Block, sie besteht aus verschiedenen Organisationen und Strömungen. Neonaziparteien sorgen regelmäßig mit Kundgebungen gegen Flüchtlinge oder zur Verherrlichung des Nationalsozialismus für Aufmerksamkeit, hingegen werden neonazistische ‚Bruderschaften‘ und Rockerclubs, die Rechtsrockszene oder militante Strukturen in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

Im Vortrag soll ein Überblick zu den verschiedenen AkteurInnen gegeben werden, dabei finden auch der Netzwerkcharakter und die verbindenden ideologischen Momente Beachtung.

Jan Nowak // Publizist und Bildungsreferent mit dem Schwerpunkt Neonazismus und extreme Rechte in Bayern

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30.05.2018 | Eike Sanders – Zur Rolle von Frauen im Netzwerk des NSU

Rechtsterroristische Strukturen werden meist als männerbündlerische Kampfeinheiten verstanden und nicht selten sind sie auch als solche konzipiert. Durch die Selbstenttarnung des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) ist mit Beate Zschäpe eine Täterin in den Fokus gerückt, an der sich Klischees über die Rolle von Frauen in der Naziszene zugleich brechen und reproduzieren. Im Münchner Strafprozess inszeniert sie sich als unbeteiligt, unwissend und abhängig von den beiden Männern. Diese Inszenierung wird im Vortrag mithilfe der Analysekategorie Gender widerlegt.

Eike Sanders // Mitarbeiterin des apabiz e.V. (Berlin), Teil von NSU-Watch sowie Mitglied des Forschungsnetzwerkes Frauen und Rechtsextremismus

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27.06.2018 | Robert Andreasch – Die radikale Rechte vor der bayerischen Landtagswahl

Bei der bayerischen Landtagswahl 2013 konnten radikale rechte Parteien mit Ergebnissen unter 1 Prozent der gewählten Stimmen keine Erfolge für sich verbuchen. Mit dem Erstarken der radikalen Rechten in den letzten Jahren und der Etablierung der Partei »Alternative für Deutschland« als politische Kraft wird es aber bei dieser Erfolglosigkeit in der kommenden Landtagswahl im Herbst 2018 nicht bleiben. Der Vortrag wird deshalb parteipolitische radikale rechte AkteurInnen beleuchten und eine Prognose für deren Einzug in den bayerischen Landtag stellen.

Robert Andreasch // Freier Journalist, Mitarbeiter vom Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e. V. (aida e.V.)

Mittwoch // 31.01.2018 // 19 Uhr // LiZe (Dahlienweg 2a, Rgb.)

In der deutschen (extremen) Rechten werden offen Sympathien für Russland gehegt und ihre AkteurInnen – von RechtspopulistInnen bis NeonazistInnen – versuchen Kontakte in das Land aufzubauen. Ideologischer Hintergrund dürfte hierbei sein, dass „Der Westen“ als Inbegriff für gängige Feindbilder – wie zum Beispiel der verhassten Moderne und des Liberalismus – gilt und Russland als Gegenstück dazu erscheint. Mit dem Eurasismus – einer sehr erfolgreichen extrem rechten Strömung in der Russischen Föderation – ist hierfür auch ein Anknüpfungspunkt gegeben.

Der Vortrag beleuchtet die Russland-Strategien der westeuropäischen (extremen) Rechten, zeigt die Hintergründe der russischen Unterstützung für Organisationen auf und blickt auf die Folgen.

Jörg Kronauer // Freier Journalist und Buchautor aus London, Referent des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland

Mittwoch // 28.02.2018 // 19 Uhr // LiZe (Dahlienweg 2a, Rgb.)

In den Jahren zwischen 2000 bis 2007 hat der «Nationalsozialistische Untergrund» (NSU) in ganz Deutschland vor allem aus der Türkei stammende Menschen erschossen, mindestens zwei Sprengstoffanschläge in vor allem von MigrantInnen bewohnten Stadtteilen verübt und zahlreiche Banken überfallen. Im Mai 2013 begann der Strafprozess gegen fünf Angeklagte vor dem Oberlandesgericht München. Seit Sommer 2017 ist das Verfahren in die Plädoyerphase eingetreten, seit Mitte November hält die Nebenklage ihre Plädoyers und Nebenkläger*innen geben eigene Erklärungen ab. Es stehen in diesen die Perspektive der Angehörigen und Betroffenen im Vordergrund. Eine davon wird von Dr. Björn Elberling vetreten, dessen Mandant Betroffener eines versuchten Mordes bei einem Raubüberfall des NSU am 18. Dezember 1998 in Chemnitz war.

Im Vortrag wird der Referent eine vorläufige Auswertung des Prozesses geben und dabei Kritik an den Ermittlungen und am Prozess üben, da diese den Angehörigen gegebene Aufklärungsversprechen nicht einlösen.

Dr. Björn Elberling // Rechtsanwalt aus Kiel, Nebenklagevertreter im NSU-Prozess und Autor des Blogs nsu-nebenklage.

 

Mittwoch // 28.03.2018 // 19 Uhr // LiZe (Dahlienweg 2a, Rgb.)

Seit Jahren baut die europaweit agierende extrem rechte Gruppierung »Die Identitäre Bewegung« an eigenen Strukturen, um jugendlichen AdressatInnen ein breites Angebot an soziokulturellen Aktivitäten anbieten zu können. „Wir sind patriotische Streetworker“, mit dem Ziel einer „patriotischen Erziehung der Jugend“ wird dabei verlautbart. Vorbild dürfte hierbei die neofaschistische italienische Gruppe »Casa Pound« sein, die zahlreiche Stadtteilzentren unterhält und sich in größeren Städten als SozialarbeiterInnen – zum Beispiel in der aufsuchende Jugend- sowie der Communityarbeit – betätigt.

Der Vortrag wird einen, in der bisherigen Auseinandersetzung mit neueren extrem rechten Gruppierungen, eher marginalisierten Punkt aufgreifen: Die konkreten Manifestationen dieser Ideologie in der reaktionären Besetzung sozialen und kulturellen Raumes.

Jerome Trebing // Sozialarbeiter und Soziologe aus Wien; Twitteraktivist (@MenschMerz)